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(manchmal gibt es keine Daten oder sie sind verzögert)

Mittwoch, 18. August 2010

Abschiedsgefühle und Wiedersehensglück

Puh, in letzter Zeit habe ich meinen Blog wirklich sehr vernachlässigt und eigentlich sollte dieser Eintrag schon längst drin stehen, aber ich habe es einfach nicht eher geschafft. Grund dafür ist erst einmal: Ich bin wieder zurück in Deutschland! Und in meinen letzten Tagen in Sambia hatte ich es zeitlich einfach nicht mehr geschafft, mich noch ein letztes Mal, wie geplant, auf dieser Seite zu verewigen. Zurück in Deutschland wurde es zeittechnisch natürlich auch nicht gerade entspannter, aber ich fange erst mal gaaaaanz vorne an.

Mein Abschied in Sambia ging am Ende über mehrere Tage. Ich wusste gar nicht, wie viel Arbeit lebe-wohl-sagen sein kann. :) Meine große Abschiedsfeier war da nur ein kleiner Teil. Die war aber ne Bombe! :) Alle waren sie gekommen, bis auf einen Arbeitskollegen in Mpika, der persönliche Gründe hatte, sowie zwei Arbeitskollegen aus dem Krankenhaus in Chilonga, die Bereitschaft hatten. Bis zum Tag der Feier hatte ich mich eigentlich nicht wirklich darauf gefreut, weil ich einfach keine Lust auf Abschied hatte. Am Tag selbst packte mich die Vorfreude dann doch noch, weil die ganzen Vorbereitungen endlich gestalt annahmen und ich mich einfach freute, mit allen nochmals ein paar schöne gemeinsame Stunden zu verbringen.

Die Ziegen schlachtete ich mit zwei Freunden, Pritchard und Henry, am morgen vor der Feier. Schon heftig, dem Tier bei vollem Bewusstsein die Kehle durchzusäbeln, nachdem es 10min vorher noch graste. Aber im Endeffekt ist es die natürlichste Art sein Fleisch zu beschaffen. Wenn einem die Schnitzel im Kühlregal entgegenblicken, denken bestimmt nur noch wenige daran, wo das ganze eigentlich her kommt. Ich hatte mir vorgenommen, bei der zweiten Ziege selbst den Hals durchzuschneiden, war mir dann aber unsicher, ob ich es mit der gleichen Entschlossenheit tun könnte wie meine Beiden Helfer und leiden lassen wollte ich die Ziege dann auch nicht noch, weshalb ich diesen Teil schön den Profis überlies. Ich half dafür beim Häuten, Ausnehmen und Zerkleinern. Immerhin. :)

Nachdem das Fleisch präpariert, die Getränke mit Eis in Tonnen gepackt und alles aufgebaut war, konnte die Fete dann steigen. Es war wirklich weltklasse! Allen war bereits bei Ankunft das Lächeln ins Gesicht geschrieben – gut, gab auch Freigetränke ;) – und ich bekam von ganz vielen Freunden und Bekannten sogar Abschiedsgeschenke überreicht. Diverse traditionelle Hemden, ein Phasenprüfer von einem Elektrikerkollegen, Bilder, uvm. Jeder kratzte irgendwie von seinem kleinen Vermögen was zusammen. Das fand ich wirklich richtig lieb. Die Feier nahm dann völlig selbst ihren Lauf. Ich hatte das Glück, dass einige mir im Vorfeld schon angeboten haben, die Getränkeausgabe zu überwachen und einer brachte seine „Anlage“ mit und spielte den DJ. Die hatten alle ihren heiden Spaß an daran und ich somit mehr Zeit, um mich ums Verabschieden zu kümmern. Das Ziegenfleisch schmeckte jedem und am Ende wurde noch die Tanzfläche gerockt! :) Es war wirklich sehr schön und irgendwie viel zu schnell vorbei. 15 Getränkekisten habe ich besorgt und nach fünf Stunden war das letzte Stück Ziege verschlungen und das letzte Bier getrunken (Softgetränke gab es auch, die gingen aber als aller erstes aus. :) ). Daraufhin verließ dann einer nach dem andern den Ort des Geschehens und ich glaube, durstig war trotzdem keiner mehr. :) Und man soll ja immer aufhören wenn’s am schönsten ist.

Ein komischer Moment war dann auch noch der letzte Tag in Mpika. An diesem Tag machte ich nochmals eine große Runde, um jedem persönlich lebe wohl zu sagen. Angefangen am Krankenhaus in Chilonga. Martin und Rambo, meine beiden Kollegen die an der Feier auf Abruf waren und an diesem Tag wieder arbeiteten, machten nicht gerade den glücklichsten Eindruck dabei und auch ich musste ein wenig schlucken, als wir uns ein letztes Mal umarmten. Es waren wirklich viele schöne Momente, die ich hier verbrachte und als ich so über das Gelände streifte, wurde mir zum ersten Mal bewusst, was ich eigentlich in dem Jahr hier alles geleistet habe. Ich dachte nämlich immer, gar nicht so besonders viel, aber da wurde mir bewusst, wie lange ein Jahr doch ist und wie viel Zeit ich hier verbrachte, in der man doch immer wieder hier und da was rackerte. Einfach ein schönes und erfüllendes Gefühl. Vom restlichen Krankenhaus verabschiedete ich mich genauso und jeder fragte mich, wann ich wieder komme und ein Jahr ist viiiiieeeeel zu kurz. Drei müssten es mindestens sein! :) Mit einem ganz merkwürdigen Gefühl trat ich dann die letzte Fahrt von Chilonga nach Mpika an und saugte nochmal alles auf, was an meinen Augen vorbeihuschte, bevor dann in Mpika derselbe Abschied nochmals folgte. Danach war ich erst mal ein wenig durcheinander, konnte mich aber mit Packen aber gut ablenken.

Ich bin wirklich sehr dankbar für jede Minute, die ich mit den Leuten in Sambia verbringen durfte. Sei es im Krankenhaus von Chilonga, in Mpika, in Nabwalya, in Mulilansolo oder irgendwo anders in Sambia und Afrika. Es war eine sehr intensive und bestimmt auch prägende Zeit. Die Tatsache, dass mir am Ende der Abschied schwer viel, bestätigt mir, dass ich in der Zeit wohl alles richtig gemacht haben muss. Die Orte die ich gesehen habe, die Einrichtungen an denen ich arbeitete und vor allem die Menschen, die ich traf und mit denen ich das Privileg hatte zu arbeiten, sind mir sehr ans Herz gewachsen. Dass diese Menschen am Ende ebenfalls ein wenig traurig waren, als ich die große Reise auf einen anderen Kontinent antrat, ist ein sehr schönes Gefühl und ich schätze, dass ich meiner Rolle als positiver Botschafter dieser komischen Europäer gerecht geworden bin. Das war im Vorfeld ein großes Ziel von mir, primär einfach ein wenig zur Völkerverständigung beizutragen. Alles weitere ist Bonus. Viele Dinge, wie sich zum Beispiel 10 Stunden in eine Blechwurst zu setzen, die dann in 10km Höhe und wahnsinniger Geschwindigkeit dich in fremde Länder befördert und das auch noch bezahlen zu können, sind vielen Menschen um mich herum wohl immer noch fremd und unvorstellbar. Aber ich gab mein Bestes, alles immer und immer wieder zu erklären. :) Ich kann eigentlich gar nicht arg viel mehr dazu sagen. Dieses ganze Jahr ist ein so ein Gefühl, das man wohl nie über Erzählungen rüberbringen kann, aber ich kann nur einfach nochmals sagen, dass ich jede Minute davon genossen und zu schätzen gewusst habe.

Jetzt bin ich aber froh, mal wieder unter euch in Deutschland zu sein. Es ist super schön, Familie und Freunde wieder zu sehen. Ich habe euch alle über Zeit schon echt vermisst und die Menschen, die mich mit Deutschland verbinden, haben mich immer wieder hier her gezogen und mich beim Abschied in neue Vorfreude versetzt. So auch dieses Mal. Und bevor die ersten Spekulationen auftreten, wo es als nächstes hingeht – ich werde jetzt erst mal wieder in Deutschland bleiben. :) Was ich hier treibe, steht noch nicht ganz fest, aber das könnt ihr dann ja wieder aus einem persönlichen Gespräch mit mir erfahren. :)

Ich möchte mich bei euch allen für euer Interesse an meiner Zeit in Sambia bedanken und dass ihr für ein Jahr unermüdlich dieses kleine Internetseitchen immer wieder angeklickt habt. Mir hat das schreiben, wie man sicherlich bemerkt hat, immer große Freude bereitet und hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in mein Leben „dort unten“ bieten. Bei weiteren Fragen, stehe ich von nun an auch wieder in Persona gerne zur Verfügung. :)

Abschließend biete ich euch in alter Manier visuelle Eindrücke meiner Abschiedsfeier und die Fleischgewinnung im Vorfeld. Ich habe auch noch zwei Links angehängt, wo ihr mehr Informationen zu meiner Entsendeorganisation, der „Brücke der Freundschaft“ und meiner Einsatzstelle vor Ort, der „Diözese Mpika“, erhalten könnt, für all diejenigen, die sich nicht satt lesen können. :) Auf der Homepage der Diözese wurde Franziska und mir sogar ein kleiner Eintrag gewidmet. Vielleicht findet ihr den ja. :)

Nochmals vielen Dank fürs lesen, wir sehen uns und die Nächste Reise kommt bestimmt…irgednwann ;)

- Euer Nomadencarsten

Brücke der Freundschaft:
http://www.bruecke-der-freundschaft.de

Diözese Mpika:
http://www.diompika.org

31.07.10 Ziegen schlachten für die Abschiedsfeier


31.07.10 Abschiedsparty in Mpika

Donnerstag, 29. Juli 2010

Es werde Licht für den Pulleralarm am Wasserfall

Willkommen zu meinem Lebenszeichen mitten aus dem Endspurt. Ein Jahr, das einem zu Beginn so groß und lang vorkommt, ist mitlerweile auf neun Tage zusammengeschrumpft. Ich kann es selber kaum fassen, wenn ich es nur tippe. Dementsprechend befinde ich mich gerade in den letzten Arbeits-klimm-zügen. Heute und morgen sind meine letzten Arbeitstage bei der Diözese, am Wochenende gebe ich eine “kleine” Abschiedsparty, um mich gebührend vom größten Teil aller Leute zu verabschieden und nochmal ein wenig Spaß gemeinsam zu haben. Danach geht es auch schon ans packen, dann Lusaka und schwubs bin ich wieder zurück in Deutschland. Es ist noch alles so unwirklich und die Zeit zieht an mir gerade wie in Trance vorbei. Ich bin mit allem ein wenig überfordert, aber lasse einfach Tag für Tag, der mir hier noch verbleibt, auf mich zukommen und mache das Beste daraus.

Seit meinem letzten Eintrag gibt es noch ein paar Aktivitäten im Reisesektor zu verzeichnen. Vorletzte Woche wurde ich abermals und zum letzten Mal nach Nabwalya entführt. Waldemar, der Priester, der dort gerade eine Außenstelle der Diözese aufbaut, hat Spendengelder aufgetrieben, um die örtliche Buschklinik mit einer Solaranlage für Licht zu versorgen. Ich durfte mitgehen und die Installation mit zwei Leuten vom Dorf durchführen, die quasi gar keine Ahnung von Elektroinstallationen haben. Ich musste daher den Anschluss der Solaranlage, sowie die komplette Verkabelung der Lichter in sieben Räumen planen und mit den Beiden “Lehrlingen” durchführen. Puh, da habe ich erst mal ganz schön geschluckt. Ich hatte zwar eine Ahnung, wie ich alles angehen werde, aber es war das aller erste Mal überhaupt, dass ich so etwas alleine, ohne einen zusätzlichen Elektriker durchführen sollte. Aber man wächst ja schließlich an der Herausvorderrung. 2 ½ Tage arbeiteten wir ununterbrochen daran und am Ende funktionierte alles auf anhieb. Ich glaube, ich war noch nie so stolz auf mich, wie in diesem Moment und überglücklich, dass alles funktionierte. Wir schafftn es erst am Tag der Abreise zurück nach Mpika alles fertigzustellen, sodass ohnehin kein Puffer für Fehlerkorrekturen mehr übrig gewesen wäre. Waldemar hatte sich wohl verschätzt in der Zeit, die ich mit meinen beiden Kollegen für alles brauche, aber Qualität geht schließlich vor Quantität und am Ende hat ja auch alles genau hingehauen. Es hat mir wirklich sehr großen Spaß gemacht. Vor allem auch nochmals die ganzen Leute in Nabwalya zu sehen. Damit hatte ich schon gar nicht mehr gerechnet und konnte mich dadurch bei jedem persönlich verabschieden. Vor unserer Abreise wurde mir sogar in der Kirche von allen für meine diversen Arbeiten vor Ort gedankt, was wirklich super lieb war.

Am vergangenen Wochenende machten wir einen letzten Ausflug an den Tanganyikasee, hoch oben im äußersten Norden von Sambia. Mit dem Ende der vergangenen Woche hatten meine Beiden Mitfreiwilligen der Brücke der Freundschaft, Susanne und Franziska, ihre Arbeit bereits beendet und wir fanden uns alle in Mpika ein. Wie geplant stieß auch noch die gute Franzi aus Ndola zu uns und mit meinen beiden Mitbewohnern, Andreas und Jean-Baptiste, bildeten wir ein hochmotiviertes 6er Gespann, das sich anschickte in unserem alten, klapprigen Daihatsu “Rocky” die 450km bis zum Hafenstädtchen Mpulungu am See zurückzulegen, wo wir für drei Nächte bleiben wollten.

So weite Touren hatten wir mit unserem Wagen noch nie gewagt und mit vier Leuten im kleinen Laderaum war Platztechnisch das absolute Maximum erreicht. Aber Auto und Motor, die schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben und komplett in einem Fluß abgesoffen sind, schnurrten wie ein Kätzchen und beförderten uns über die ganzen Tage sicher von A nach B. Nicht einmal einen Platten hatten wir zu vermelden, nachdem wir seit Mai das komplette Auto mit neuen Reifen “aufmotzten”.

Der Tanganyikasee ist volumenmäßig der größte See Afrikas und der zweittiefste See der Welt, hinter dem Baikalsee. Mit seiner enormen Länge von 673km bildet er das Grenzgebiet von Sambia im Süden, Tansania im Osten, dem Kongo im Westen und Burundi am äußersten Norden. Um den ganzen See herum hat auch ein großer Teil des menschlichen Ursprungs seine Herkunft.

Mpulungu, der größte Ort am Tanganyikasee in Sambia, hat für das Land ohne einen Zugang zum Meer eine ziemlich große Bedeutung. So findet man hier den größten Hafen des Landes und der See verschafft Sambia eine direkte Grenze zu Burundi. Auch die große Vielzahl an Fisch, welcher sich aus dem See ziehen lässt, ist ein wichtiger Bestandteil für die Region und das ganze Land. Die Tanganyika-Sardine, Kapenta genannt, wird in ganz Sambia gegessen und gehört eigentlich schon zum Grundnahrungsmittel. Der Fisch wird meist vor Ort getrocknet und dann in großen Säcken über das ganze Land verteilt. Für mich zählt sie ebenfalls zu einem der schmackhaftesten und dabei günstigsten Fische, die es hier gibt.

Die Nähe zu Tansania verschafft dem Städtchen einen unverkennbaren Swahili-Einfluss. Swahili wird die Volksgruppe genannt, die sich entlang der Ostküste Afrikas niedergelassen hat. Vor allem im heutigen Kenia, Tansania und Mosambique. Dort wird auch Kiswahili als Amtssprache gesprochen. Durch die See spezialisierten sich diese Leute über die Jahre auf den Handel. Die Volksgruppe hat, wie die Bembas, welche sich in großen Teilen Sambias befinden, und vielen andere Stämmen Zentralafrikas ihren Ursprung aus dem Stamm der Bantu. Ihre Kultur ist durch den Handel jedoch stark von den indischen, arabischen und auch europäischen Ländern beeinflusst worden.

In Mpulungu hatten wir eine tolle Unterkünft mit total netten Betreibern, wo man sich gleich zu Hause fühlte. Wir aßen dort jeden Abend und Charity, die sambische Managerin, zauberte uns jedes Mal ein weltklasse Abendessen basierend auf dem Nkupi Fisch, einem der größten Fische des Tanganyikasee. Er schmeckt wirklich super lecker! Im restlichen Sambia ist dieser Fisch quasi gar nicht zu bekommen und wenn, erst recht nicht in der Qualität. Es war einfach klasse, genauso wie unsere Zimmer bzw. Chalets zum Campingpreis. Einziger Nachteil waren die dutzenden Moskitos, welche sich vor allem in den Duschen und WC’s gerne tummelten. Man musste sich quasi in einem Schwarm waschen und jetzt hoffen wir alle mal, dass wir von der Malaria verschont wurden. Ich hatte mal kein Stich festgestellt. *dreimalaufholzgeklopft* :)

Wir beschlossen, Mpulungu als Ausgangspunkt für zwei Tagesausflüge zu nehmen. Zuerst machten wir uns mit dem Boot auf den Weg in die etwas entfernt gelegene Isanga Bucht, wo es DEN Traumstrand von Sambia geben soll. Was soll ich sagen, die Geschichten, die wir hörten, sind absolut wahr! Nach 30min Bootsfahrt über den See gelangt man auf einmal in eine Bucht mit perfektem Sandstrand. Dort gibt es eine Lodge, die einige Palmen angepflanzt und Strohschirme aufstellt hat. Einfach wie im Bilderbuch. Sogar schnorcheln konnte man entlang der Steine am Rand der Bucht, wo es jede Menge bunte Fische zu bestaunen gab. Und das in einem Süßwassersee! Der Wahnsinn! Wir verbrachten den ganzen Tag am Strand, schnorchelten, spielten Frisbee, lasen und tranken ein paar tansanische Safari, das Beste Bier welches ich in Afrika bisher getrunken habe und wo sogleich viele schöne Erinnerungen an unsere vier Wochen in Tansania und Sansibar hochkamen. War ein perfekter Tag an einem perfekten Strand, wo man sich eher am Meer in der Karibik vorkam als an einem Süßwassersee mitten in Afrika.

Unser zweiter Ausflug verlangte uns da schon ein wenig mehr ab. Am darauffolgenden Tag wollten wir uns den Kalambo-Wasserfall anschauen. Der Kalombo ist ein Zufluss zum Tanganyikasee und bildet die Grenze zwischen Sambia und Tansania. Ein paar Kilometer vor dem See stürzt der schmächtige Fluß 235m im freien Fall in ein Tal hinab. Der dabei entstehende Wasserfall bildet den zweithöchsten Afrikas und den zwölfthöchsten der Welt. Um ihn zu erreichen mussten wir zuerst ins 40km entfernte Mbala fahren und von dort ging es weiter über 40km schlechter Buschpiste. Bei der harten Federrung und ohne richtige Sitze war das eine ganz schöne Belastungsprobe der vier Passagiere im Laderaum des Rocky. Hunzu kam strahlender Sonnenschein, der die Temperaturen in die höhe trieb. Durch die tiefere Lage des Sees ist es um ihn herum einige Grad wärmer als im restlichen Land und vor allem schwüler durch das Wasser. 1,5km vor Schluss war dann aufgrund fehlendem Allradantrieb Schluss und wir legten die restliche Strecke durch den Busch zu Fuß zurück. Da man sich den Fällen von hinten nähert, kann man sie erst hören, wenn man direkt an ihnen steht. Das Tal scheint das ganze Rauschen einfach wegzuschlucken. Es war ein absolut beeindruckender Anblick. Dieses riesige Tal, in welches ein ungebrochener Wasserschweif hinabstürtzt. Auf der Anhöhe, die wir entlanggingen, war der Stein quasi senkrecht abgebrochen. Einfach gigantisch und die strapaziöse Fahrt hat sich absolut gelohnt. Auf dem Rückweg hatte Jean-Baptiste dann die Idee, dass sich zwei auf den leeren Gepäckträger auf dem Dach setzen können, wodurch sich die Rückfahrt für die beiden verbleibenden Passagiere in der sogennanten Kapenta-Klasse wesentlich angenehmer gestaltete. :)

Es war wirklich ein super letzter Ausflug in einem wunderschönen Land, das einem in diesem Jahr schon ziemlich ans Herz gewachsen ist. Nach unserer Rückkehr in Mpika hieß es nun aber auch von Franzi Klein, der Ndola-Franzi ;), Abschied nehmen. Aber wenn wir es schon schafften, uns in Sambia über große Entfernungen zusammenzufinden, sollte das in Deutschland ja erst recht gelingen. Daher wird es, wie schon drei Wochen zuvor bei Linda in Ndola, mit Sicherheit kein Abschied für immer sein sondern man wird sich hoffentlich bald in Deutschland wieder sehen. Ganz bestimmt. :)

Jaja, die Zeit des Abschied nehmens. Sie ist wahrlich angebrochen. Vergangene Woche hatte ich bereits meinen letzten Arbeitstag im Krankenhaus in Chilonga. Auch ein merkwürdiges Gefühl. Ich werde vor unserer Fahrt nach Lusaka aber nochmals im Krankenhaus vorbeischaun und allen auf Wiedersehen sagen. Das wollte ich 2 ½ Wochen vor Abfahrt dann doch nicht schon machen.

Am kommenden Samstag ist dann die im Vorfeld schon erwähnte Abschiedsparty angesagt. Irgendwie habe ich da aber gar keine Vorfreude drauf, wenn es auch bestimmt schön wird, den Großteil aller Leute nochmal auf einem Haufen zu sehen und mit ihnen anzustoßen auf dieses unvergessliche Jahr. Aber Abschied nehmen ist natürlich auch nie wirklich schön. War ja schon genauso, als ich in Deutschland nach Sambia aufbrach. Für die Feier habe ich vergangenen Freitag mit meinem Kumpel Pritchard schon zwei Zeigen gekauft. Hierzu sind wir einige Kilometer Buscheinwärts gefahren, wo ich mir dann zwei Exemplare ausgewählt habe. Momentan grasen sie noch am Eingang zum Diözesengelände, bevor wir sie dann am Samstag morgen schlachten werden. So wie es aussieht, bekomme ich von Andrew, einem weiteren sehr guten Freund, sogar eine weitere Ziege für die Feier geschenkt, was dann drei macht. Da ich mit 40-50Leuten rechne, denke ich mal, sollten da nicht viel Reste übrig bleiben. :) Bin mal gespannt, wie alles wird. Vielleicht schaffe ich es ja noch vor meiner Abfahrt nach Lusaka euch nochmal ein paar Zeilen diesbezüglich zukommen zu lassen. Ich freue mich jetzt auch schon wieder wirklich darauf, euch alle wieder zu sehen. Dann haben auch diese komischen Abschiedsgefühle wieder ein Ende.

Von dem her, wir sehen uns in 10 Tagen! :) Bis dahin, macht’s gut allesamt!

15.07.10 - 18.07.10 Installation einer Solaranlage für die Buschklinik in Nabwalya


24.07.10 - 27.07.10 Ausflug zum Tanganyikasee

Sonntag, 11. Juli 2010

Lusaka, Mutinondo, Ndola, Kitwe – und der Countdown tickt schon…

In den letzten Wochen war wieder einiges geboten und die Zeit rast unaufhaltsam der Rückreise nach Deutschland entgegen, was einem nach und nach auch immer mehr bewusst wird.

Aber anfangen möchte ich erstmal da, wo ich bei meinem letzten Eintrag aufgehört habe. Dem Trip mit Franzi nach Lusaka, um ihre Eltern abzuholen, die für zwei Wochen ihrer Tochter einen Besuch abstatteten. Es kommt mir mal wieder schon ewig vor, dass wir dort waren, dabei ist es gerade mal drei Wochen her. Franziska und ich fuhren gemeinsam am Freitag Abend nach der Niederlage gegen Serbien leicht angeheitert mit dem Bus nach Lusaka. Nach unserer Ankunft am frühen morgen des darauffolgenden Tages holten wir Thomas (mein “Einsatzleiter”) Audi bei Josef, ein Deutscher, der dort einen Schlachthof betreibt und ein guter Freund von ihm ist, ab. Franzi und ihre Eltern bekommen ihn von für ihre Reise geliehen. Den restlichen Tag machten wir noch ein paar Besorgungen in der Stadt und konnten den Audi schon mal im etwas ruhigeren Wochenendverkehr testen. Funktionierte alles einwandfrei :), bis auf dass er eine provisorische Heckscheibe aus Plexiglas hatte, nachdem das Original im Februar kaputt ging. Diese war schon leicht beschädigt und am unteren Ende nicht mehr befestigt. Da die Regenzeit ja aber bereits vorbei ist, störte das nicht besonders. Blöd war nur, als sie uns dann am darauffolgenden Tag auf dem Weg zum Flughafen mit einem Knall komplett herausflog. Trotz geschlossener Fenster und einer Geschwindigkeit von 80km/h war der Sog wohl zu groß. Aber besser es passierte in Lusaka, als irgendwo unterwegs. Thomas und Christine, Franziska’s Eltern, hatten dadurch gleich mal ein Abholkommando der besonderen Art. :)

Eigentlich wollten wir am darauffolgenden Tag früh morgens die Tagesfahrt nach Mpika antreten, aber aufgrund der kaputten Scheibe ging es erst einmal zu einer Werkstatt, wo uns erneut eine provisorische Plexiglasscheibe eingesetzt wurde. Der Audi hat eine spezielle Heckscheibe mit einer Biegung am unteren Ende, die man leider nur in Deutschland erhält und im Frühjahr nächsten Jahres mit einem Container kommen soll. Während der Reparaturarbeiten verbrachten wir die Zeit im näheren Umfeld der Werkstatt, einem todschicken Industriegebiet in Lusaka. :) Von einem nahegelegenen Supermarkt kaufen wir uns ein paar Brote, Obst und Gemüse und machten erstmal ein Frühstückspicknick auf der Wiese vor der Werkstatt. Der Gesichtsausdruck der vorbeilaufenden Passanten sprach Bände über die Verwunderung, was diese vier verrückten Weißen da nur treiben. :)

Am frühen Nachmittag war das Werk dann vollbracht und wir konnten die Reise nach Mpika leicht verspätet, aber immerhin noch am gleichen Tag, antreten. Die ganze Strecke wollten wir uns aber nicht mehr antun, da Nachtfahrten generell schon risikoreich sind bzgl. der Schlaglöcher und Fußgänger am Straßenrand, die man teilweise erst im aller letzten Moment sieht und dann hatten wir noch nicht einmal einen Geländewagen, der zumindest kleinere Schlaglöcher problemlos wegsteckt. Knapp zwei Stunden Fahrt durch die stockfinstere Nacht mussten wir dann allerdings doch noch auf uns nehmen, um ein Gästehaus auf halber Strecke zu erreichen, wo wir dann die Nacht verbrachten. Dort hatten wir noch ein sau starkes Abendessen und ließen den Tag bei einem Bierchen und WM ausklingen.

Am nächsten Tag erreichten wir dann problemlos Mpika, von wo aus Franziska und ihre Eltern gleich die Weiterreise nach Chalabesa antraten. War wirklich eine sehr lustige Zeit zu viert, in der es in so einigen Situationen was zu lachen gab. :) Auch das Fahren im Verkehrchaos von Lusaka hat mir richtig Spaß gemacht! War einfach spitze!

Nach ein paar Tagen Arbeit folgte am darauffolgenden Wochenende gleich wieder das nächste Highlight. Ich und Susanne begleiteten Franziska und ihre Eltern zur Mutinondo Wilderness Area. Dieses Naturreservat habe ich nun schon ein paar Mal besucht und ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, kurz vor dem Ende meiner Zeit in Sambia diese einzigartige Landschaft noch ein letztes Mal zu sehen und zu erleben. Rund vier Stunden wanderten wir durch den Busch und auf den Mayense, den höchsten der vielen Granithügel die sich in dem Gebiet befinden. Wir hatten bestes Wanderwetter. Sonnenschein aber kühles Klima bedingt durch die momentane Jahreszeit. Es war wieder einmal unglaublich schön und im Anschluss aßen wir mit Mike und Larry, den beiden sambischen Inhabern, zu Mittag. Echt ein super Tag!

Es folgte erneut eine Woche vollgestopft mit Arbeit und WM, bevor ich dann gemeinsam mit Susanne über das nächste, verlängerte Wochenende für vier Tage einen schon lange geplanten Besuch bei unseren Freunden und ebenfalls Freiwilligen Linda und Franzi Klein in ihrer sambischen Heimat Ndola antrat. Franzi Leidreiter war noch mit ihren Eltern unterwegs, weshalb wir dieses Mal lediglich ein Quartett bildeten. Ich kann aber nur eins sagen: es war ein geniales Wochenende und wir hatten, wie immer wenn wir uns alle sehen, jede Menge Spaß! Es war einfach total interessant und spannend, den Kupfergürtel, das wirtschaftliche Herz Sambias bedingt durch die dort ansässigen Kupfermienen, die Städte Ndola, Kitwe und das Leben von den Beiden zu sehen und zu erleben. Momentan ist auch der “Trade Fair”, ein Markt mit Ausstellern aus ganz Afrika, für eine Woche in der Stadt. Aufgrund dessen ist auch drumherum einiges geboten. Praktisch jeder Musikkünstler befand sich für dieses Wochenende in der Stadt, unter anderem DER Star in Sambia: Dandy Krazy. Als wir das Plakat sahen, dass er am Samstag ein Konzert gibt, beschlossen wir natürlich sofort, dort hinzugehen. Leider sang er viel Playback, aber die Lieder waren uns alle geläufig, da sie einem von jeder Straßenecke entgegenschallen und wir hatten einen sau witzigen Abend! :) Zuvor schauten wir noch die Demütigung Argentiniens in einer Bar ganz in der Nähe von Linda’s Unterkunft an. Die machten dort echt richtig Stimmung. Bei jedem Tor von Deutschland wurde der Ton ausgeschaltet und laute Musik lief. Ausnahmslos JEDER in der Bar war für Deutschland! Unglaublich, was für eine Deutschlandeuphorie in ganz Sambia ausgebrochen ist. Auch in Mpika. Erst recht nachdem Ghana ausgeschieden ist und es gab kein anderes Thema mehr, außer wie gut die Deutsche Mannschaft doch spiele. Aus dem Titel ist es ja nun leider doch nichts geworden, aber wir sind auch hier die Weltmeister der Herzen. :)

Übernachtet haben wir während der ganzen Tage alle bei Franzi, weil sie dir größere Wohnung hat. Neben dem Konzertbesuch und dem Trade Fair fuhren wir für einen Tag nach Kitwe, wo Franzi ihr erstes halbes Jahr in Sambia verbrachte. Anders als bei uns mussten die Beiden bei der Halbzeit ihre Stellen wechseln. Das ist von ihrer Organisation so vorgesehen. In Kitwe arbeitete Franzi bei einem Waisenhaus und wohnte bei einer sambischen Gastfamilie. Beiden statteten wir einen Besuch ab. Von meinem kurzen Eindruck von rund zwei Stunden fand ich das Waisenhaus wirklich total schön. Obwohl jede Menge Kinder dort leben, hatte ich trotzdem das Gefühl, das alle lieb umsorgt werden. Von dem halben Jahr, in dem Franzi dort arbeitete, hat sie uns ein paar andere Dinge erzählt. Wenn Gäste da sind, versuchen natürlich auch immer alle einen guten Eindruck zu machen. Aber an ihren Erfahrungen in ihrer neuen Arbeitsstelle in Ndola sieht man, dass es auch noch extremer geht. Franzi kommt jedenfalls immer wieder gerne hier her zurück und kann sich auch vorstellen, nach Sambia dem Waisenhaus von Deutschland aus immer mal wieder ein Paket zu schicken.

Geleitet wird das Haus von einer italienischen Nonne, die wirklich goldig ist. Ihre stolzen 80 Jahre sind ihr absolut nicht anzumerken. Mit 20 ging sie nach Chile um dort an einer Schule zu unterrichten. Mit 40 wechselte sie dann nach Sambia und ist dort bis heute. Sie, alle anderen Nonnen, die Angestellten und natürlich auch die Kinder haben sich sehr über unseren Besuch, vor allem aber natürlich über das Erscheinen von Franzi, gefreut. :) Wir wurden sogar noch mit einem echten italienischen Espresso und Kuchen verwöhnt.

Zwei Häuser weiter wohnt Franziska’s ehemalige Gastfamilie, die sich ebenfalls riesig über unseren Besuch gefreut haben. Sie ist dort wirklich in einer total lieben Gastfamilie untergekommen. Leider war es schon sehr spät und wir konnten nicht allzu lange bleiben, um unseren Bus zurück nach Ndola zu erwischen.

Vor unserer Besuchstour waren wir auf dem großen Markt von Kitwe, um uns vor allem mit Stoffen einzudecken. Durch die unmittelbare Nähe zum Kongo hat man hier die Beste und günstigste Auswahl aus beiden Ländern.

Am Ende hieß es dann schon wieder viel zu schnell Abschied nehmen. Mit Franzi werden wir in zwei Wochen nochmal eine Reise zum Tanganyikasee machen. Linda habe ich an diesem Wochenende jedoch zum letzten Mal gesehen. Wir haben allerdings schon fest beschlossen, uns in Deutschland nach unser aller Rückkehr bald wieder zu sehen. Nachdem wir jetzt alle das sambische Leben voneinander kennen, muss man ja auch das in Deutschland ein wenig erforschen. :)

Ein Highlight bei der Arbeit wartete dann gleich nach unserer Rückkehr von Ndola auf mich. In Chilonga startete endlich die Operation neue Wassertanks. Mit 23 Mann rückten wir an, um beide neuen Tanks auf den Turm zu hiefen. Alles durch reine Muskelkraft mit Taus und Seilen. Echt ein Knochenjob und gar nicht so einfach, die richtige Strategie zu finden. So zerrten wir gleich mal rund zwei Stunden am ersten Tank herum, bis wir ihn endlich in einem gemeinsamen Kraftakt auf den Turm gehieft hatten. Nachdem wir den zweiten Vorbereitet hatten, benötigten wir für ihn, dank einer besseren Strategie, nicht mal eine halbe Stunde. Trotz der Anstrengung hat es sehr großen Spaß gemacht. Vor allem war es total interessant, denn so etwas macht man schließlich nicht jeden Tag. Man wünscht sich das danach auch wirklich nicht. :) War echt klasse, wie wir alle an einem Strang zogen und am Ende über unser Werk jubeln konnten.

In den nächsten beiden Tagen war ich dann weiter mit Lennard, einem Klempner der Diözese und seinen beiden Helfer am Werk, die Tanks anzuschließen, sowie eines der Wasserrohre auszutauschen. Es war an einer Stelle total durchgerostet. Der Knochenjob ging hier in die nächste Runde. Rohre und Gewinde mussten von Hand geschnitten, das ganze Material auf den Turm gehieft und Rohrverbindungen, die nicht zum wieder öffnen vorgesehen waren, wieder getrennt werden. Um die Anschlussstücke an den Tanks zu befestigen musste Lennard in beide Tanks hineinsteigen. In einen gleich zwei Mal, da der Anschluss nach dem ersten Mal nicht richtig hielt. Am Ende schafften wir aber alles tropffrei anzuschließen und der Sieg war durch die ganzen Anstrengungen umso süßer. :)

Es ist schon ein seltsames Gefühl, das sich so langsam einschleicht. So langsam wird einem wirklich richtig bewusst, dass man nun bald die Heimreise nach Deutschland antritt und diese Welt hier, die in dem Jahr wirklich zu einem Teil von einem geworden ist, hinter sich lassen wird. Ich genieße die Zeit und das Leben hier wirklich sehr und nach einem Jahr Sambia hat man mitlerweile einfach auch das Gefühl, richtig angekommen zu sein. Ich freue mich aber auch schon wieder darauf, euch alle in Deutschland wieder zu sehen. Im Kopf bin ich schon mindestens zur Hälfte wieder zurück und befasse mich mit allerlei Dingen, die jetzt auf mich zukommen. Job, Wohnung, organisatorisches, das alles beschäftigt mich bereits. Auf der anderen Seite steht man hier noch voll im Leben, erlebt so viele Dinge und genießt die Zeit mit den Menschen. Ein wirklich komisches Gefühl und irgendwie hängt man zwischen zwei Welten. Ich sauge momentan aber alles noch viel intensiver auf. Auch Dinge, die schon alltäglich geworden sind, wie unsere Fußballrunde mit den Kindern der Nachbarschaft, die gestern zum Beispiel wieder extrem lustig war, mit Herscharen von Mädchen, die alle Torwart spielten und den Spaß des Jahrhunderts dabei hatten. Wenn man sich dann bewusst macht, wo man sich in genau einem Monat befindet, ist das irgendwie ein ganz unfassbares, unbeschreibliches Gefühl. Aber die Vorfreude auf euch alle ist definitiv vorhanden und da hab ich was, zum vorrauschauen und drauf freuen.

Bis dahin werkel ich hier noch weiter fleißig rum und genieße die letzten Wochen. Ich werde mich auf alle Fälle nochmal zu Wort melden, bevor ich die Heimreise antrete. Euch allen eine gute Zeit im Jahrhundertsommer Deutschlands und denkt vielleicht ab und zu an mich, wenn ich hier an manchen Tagen bei 9°C und eisigem Wind bibbere. :) Heute und gestern waren aber mal wieder überaus warme Tage, doch die kalte Jahreszeit ist noch nicht überstanden.

26.06.10 Mutinondo Wilderness Area


03.07.10 - 06.07.10 Auf Besuch bei Franzi und Linda in Ndola


05.07.10 Kitwe


07.07.10 - 09.07.10 Operation Wassertanks für Chilonga

Mittwoch, 30. Juni 2010

Weiterführendes Bloggen

Wem es mitlerweile zu langweilig ist, immer nur das Geschwalle dieses Nomadencarsten zu lesen, dem hab ich heute mal einen Leckerbissen zu bieten. So wie es ausschaut, beginnen die Leute vom SPIEGEL mir Konkurrenz zu machen und fuhren im Juni gleich mit zwei Artikeln über Sambia auf. Kann aber natürlich auch sein, dass das nur entfernt was mit der WM in Südafrika und der in Deutschland eingetretenen Afrikaeuphorie zu tun hat. ;) Zumal es auch Reiseartikel sind. Aber interessant und authentisch sind sie allemal. Daher wollte ich euch die Links nicht vorenthalten. Ein paar schöne Schnappschüse gibt’s dort auch noch zu sehen.

Artikel über die TAZARA Eisenbahn die Sambia und Tansania verbindet
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,699951,00.html

Artikel über die Viktoriafälle
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,700020,00.html

Ich sende euch ganz viele Grüße aus dem sambischen Winter ins (wie immer pünktlich zu ner WM) endlich sommerliche Deutschland! Im Gegensatz dazu konnte ich hier nun nach knapp 11 Monaten meine mitgebrachte und bereits eingestaubte Fleecejacke aus der Versenkung holen, welche im täglichen Einsatz ist. :)

Freitag, 18. Juni 2010

Wo geht nur all die Zeit hin?

Obwohl gerade einmal drei Wochen seit meinem letzten Eintrag und der Zeit in Nabwalya verstrichen sind, kommt es mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Demnach gibt’s auch mal wieder ein paar Sachen zum aus dem Nähkästchen plaudern. ;)

Vermutlich kommt mir das alles so weit weg vor, weil ich mich nach Nabwalya in Mpika und Chilonga wieder voll in die Arbeit gestürzt habe, bzw. auch mit selbiger überhäuft wurde. Es wird irgendwie nicht weniger und es gibt immer wieder an vielen Ecken “kurz mal eine Kleinigkeit” zu tun. Es schleicht sich allmählich ein kleines Zeitproblem heran, denn wenn man ganz ungläubig auf den Kalender schaut, habe ich gerade mal noch sieben Wochen hier zur Verfügung. Echt der Wahnsinn, wie die Zeit gerade verfliegt.

In Puncto Programm für die Lagerverwaltung der KFZ-Werkstatt und Schreinerei habe ich den letzten Wochen mehrere Anläufe gestartet, die Datenbank mit der Inventur des Lagers zu füllen. Leider entdeckten wir dabei immer wieder Fehler im Programm, Fehler bei der Konfiguration auf dem Rechner oder es fielen uns Änderungen/Erweiterungen ein, die wir noch vor der Dateneingabe einbinden wollten. So ging es zwar stetig vorwärts, aber der wichtige Meilenstein der Dateneingabe, der schon seit Wochen vor der Nase umherschwirrt, ist noch immer nicht erreicht. Wir arbeiten aber daran und in den kommenden Tagen sollte es nun endlich auch mal klappen! :) Ich bin da jedenfalls zuversichtlich.

Am Krankenhaus in Chilonga ist, nachdem vor einigen Wochen bereits an einem der beiden Wassertanks des Krankenhauses ein Riss am oberen Rand entstand, während meines Aufenthalts in Nabwalya auch der zweite Tank kaputt gegangen. Dieses Mal bildete sich der Riss allerdings direkt über dem Boden des Tanks. Dadurch mussten die Tanks vom Netz genommen werden, weil die Pumpe nur in Beide parallel befüllen kann. So hängt das Krankenhaus seither permanent über ein Notfallrohr an den Tanks der angrenzenden Unterkunftshäuser für Angestellte, deren Kapazität für diesen hohen Konsum nicht ausgelegt ist. Aber lieber ab und an kein Wasser, als gar keins mehr.
Eigentlich sind diese Tanks so robust, dass sie für mindestens zehn Jahre keine Probleme bereiten. Die beiden Angesprochenen sind gerade mal ein Jahr alt. Nachdem wir die Herstellerfirma in Lusaka diesbezüglich mal angehauen haben, meinten die dann auch, dass in dieser Reihe einige Tanks mit fehlerhaftem Material produziert wurden und boten uns immerhin sofort an, die Tanks kostenlos umzutauschen, wenn wir die Defekten nach Lusaka fahren. Der Transport dieser großen, unhandlichen Dinger ist zwar auch nicht gerade kostengünstig, aber was bleibt einem anderes übrig. Die Tanks abzuschließen und vom Turm herabzulassen konnten wir an einem Tag erledigen. Mittlerweile hat die Diözese einen LKW nach Lusaka geschickt, der sie dem Hersteller übergibt und die Neuen abholt. Anfang nächste Woche wird der LKW wieder zurück sein und wir können sie dann anschließen, womit sich die Wassersituation wieder entspannen sollte.

Von ChilongaVon Chilonga


Bei meinem nächsten Arbeitstag in Chilonga haben wir uns auch noch vorgenommen, das komplette Krankenhaus nach Geräten und den dazugehörigen Handbüchern abzusuchen. Es passierte schon des Öfteren, dass ein Gerät defekt war oder man es neu einstellen musste, aber das Handbuch nicht mir aufzufinden war. Daher wollen wir zum einen mal erfassen, was eigentlich alles an Geräten da ist um anschließend alle Handbücher die sich finden lassen zentral abzulegen, damit man sich beim nächsten mal besser und schneller zu helfen weiß.

Wie schon erwähnt, es gibt einfach immer was zu tun. :) Die Arbeit im Krankenhaus ist nach wie vor noch viel Umfangreicher. An der Bachquelle mussten wir die Rohre abermals von jede Menge Laub befreien, wodurch der Bach wieder etwas mehr Wasser liefert und nicht mehr ganz so oft gepumpt werden muss. Und dann natürlich die tagtäglichen Handwerksarbeiten an den verschiedensten Ecken und Enden von Elektroinstallationen, über Klempnern bis zu kleinen Zimmermanns- und Schreinertätigkeiten.

Es bereitet mir alles einfach nach wie vor große Freude. Ob am Krankenhaus oder mit den Leuten in der Diözese. Zu meinen Kollegen habe ich überall so ein gutes und schönes Verhältnis. Vor allem im Krankenhaus kann ich zurückblickend richtig die Veränderung der Menschen nachvollziehen, wie sie Stück für Stück offener und entspannter wurden.

Ein Highlight der vergangenen Wochen war zweifellos das Eintreffen des großen Geschenkepakets der Familie Schweizer mit jeder Menge Kleidung und Spielsachen für das Waisenhaus St Francis in Mpika. Martha Magawa, die Betreiberin, ist eine sehr gute Bekannte von mir und Sie ist wirklich eine liebenswürdige, tolle Frau, die trotz zehn eigener Kinder, was selbst für sambische Verhältnisse eine sehr große Familie ist, noch so einiges mehr auf die Beine stellt. Das Paket kam jedenfalls sehr gut an und Frau Magawa hatte ihren Spaß daran, die Übergabe in einen Staatsakt mit offiziellem Foto zu verwandeln. Danach spielten wir mit den Kinder und den neuen Bällen ein wenig Fußball. Frau Magawa zeigte uns noch ihr Grundstück und wie sie sich mit Landwirtschaft, Hühnerzucht, sowie dem Bau eines Gästehauses sonst noch beschäftigt. Man hat ja sonst nix zu tun. :) War sehr schön und weiter unten könnt ihr euch ja selbst anhand der Bilder davon überzeugen.

Was war denn sonst noch….ach ja, es ist endlich Zeit für Afrika, wie es hier überall so schön heißt. :) Damit ist natürlich der Start der Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika gemeint. Wie in wohl jedem Land Afrikas ist auch in Sambia das jagen der Lederkugel Sport Nr. 1 und fester Alltagsbestand der Menschen bis in die entlegensten Zipfel des Landes. So ist es ein Leichtes, abseits der Arbeit irgendwo ein Spiel zu verfolgen. Ob privat mit Leuten oder in einer der kleinen Bars. Beides schon ergiebig getestet und für erste Sahne empfunden. :) Die führenden Mannschaften in der Umfrage “Wen unterstützt du bei der WM?” sind natürlich vorneweg die Afrikanischen Teams, dicht gefolgt von Brasilien. Anstatt einer Vuvuzela wird hierzulande beim betrachten der Spiele an der Flimmerkiste aber lieber ein Flaschenhals an den Mund gesetzt. ;)

So, das waren dann auch schon wieder die heißesten Nachrichten aus Mpika/Sambia. Ich hoffe, sie haben diese Ausgabe genossen und ich würde mich freuen, wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder vorbeiklicken. :) Dieses Wochenende geht’s für mich erstmal wieder auf Achse. Ich werde heute Abend (Freitag) mit Franziska aus Chalabesa einen Bus besteigen, um abermals die ca. neunstündige Fahrt, sofern ohne Zwischenfälle, nach Lusaka anzutreten. Grund dieses Mal ist der Besuch von Franziskas Eltern, die am Sonntag sambischen Boden betreten werden. Für ihren zweiwöchigen Urlaub mit der Tochter aus dem Busch leihen sie sich ein Auto von Thomas, meinem Chef, aus, welches gerade noch in Lusaka steht. Das ist natürlich alles schön und gut wird sich der geneigte Leser mittlerweile denken, aber komm mal zum Punkt. Meiner einer wird als Mentaltrainer mitreisen, wenn Franziska am Samstag nach zehnmonatiger Fahrpause ihre (hoffentlich nicht allzu sehr) eingerosteten Fahrkünste in Lusakas Chaos beim abholen des Autos wieder auffrischt. Wenn alles glatt läuft, werden wir am späten Montag Nachmittag zu viert Mpika erreichen.

Apopro Lusaka, das hätte ich nun doch noch fast vergessen zu berichten. Ich selbst bin nämlich vor einigen Wochen an einem Tag mit dem Auto meines Nachbars Lutz nach Lusaka gefahren, um ihn von seinem Deutschlandurlaub vom Flughafen abzuholen. Unterwegs lief natürlich, wie zu erwarten, nicht alles hundertprozentig glatt. Probleme mit der Alarmanlage des Autos, welche aber mit Improvisation eigenständig gelöst werden konnten, sowie ein kleines tä ta tä mit der Verkehrspolizei, welches aber ohne Folgen blieb. So erreichte ich nach 10h Fahrt um 15Uhr pünktlich zur Landung des Flugzeugs den Flughafen. Danach machten wir uns gleich wieder auf den Weg zurück nach Mpika, wo wir um 1Uhr morgens leicht müde, aber glücklich und zufrieden ankamen. Mpika-Lusaka-Mpika in 20h. Nicht schlecht und auch für Lutz nach 10 Jahren Sambia ein neuer Rekord. :) War echt ne tolle Erfahrung, die Strecke mal selbst hinter dem Steuer zurückzulegen.

07.06.10 & 13.06.10 St Francis Waisenhaus


Chilonga